K. O. Götz, Gerhard Richter, Sigmar Polke

Abstraktion und große Geste

Karl Otto Götz, "6 Variationen mit einem Schema VI", 1973
VG Bild-Kunst

In Erwartung blitzschneller Wunder

Als Student der Aachener Kunstgewerbeschule ist Karl Otto Götz, der sich schon früh einfach K. O. Götz nennt, zunächst vom Surrealismus inspiriert und experimentiert mit der abstrakten Malerei. Den Nationalsozialisten ist das suspekt und sie erteilen dem gerade mal 21-jährigen Künstler 1935 ein Mal- und Ausstellungsverbot. Davon unerschüttert malt und experimentiert Götz heimlich weiter und entwickelt eine neue Maltechnik.

Dabei trägt er zunächst dünnflüssige Farbe mit dem Pinsel auf die mit Kleister versehene Leinwand auf. Anschließend zieht er mit einer Rakel – einer Art Abstreifholz – in blitzschnellen Arbeitsschritten von bestimmten Farbflächen die noch feuchte Farbe wieder weg. Danach bearbeitet Götz das Bild mit einem trockenen Pinsel erneut. Dieser von Spontanität und Geschwindigkeit, Dynamik und Vitalität geprägte Arbeitsprozess verleiht seinen Bildern explosive Kraft. Später wird sein Schüler Gerhard Richter diese Technik übernehmen.

Karl Otto Götz, "Eine Gouache", 1953
Sammlung Anna und Dieter Grässlin, St. Georgen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Thomas Hardy, Koblenz
“Malen ist Rakeln”
Karl Otto Götz

Als Professor lehrte Götz von 1959 bis 1979 an der Kunstakademie Düsseldorf. Zahlreiche bedeutende Künstlerpersönlichkeiten wie Gotthard Graubner, Gerhard Richter, Sigmar Polke, H. A. Schult, Rissa und Franz Erhard Walther gehen aus seiner Klasse hervor.

Der Schein der Dinge

Gerhard Richter fotografiert von Lothar Wolleh, um 1970
© CC BY-SA 3.0

Gerhard Richter zählt zu den bekanntesten bildenden Künstlern der Gegenwart. Der 1932 in Dresden geborene Maler, Bildhauer und Fotograf hat ein umfangreiches Werk geschaffen, das sich zwischen figurativer und abstrakter Kunst mit einer ganz eigenen Formsprache bewegt. 1961 verlässt er die DDR und geht an die Kunstakademie in Düsseldorf, wo er später auch Professor wird. 

Als Künstler greift Richter alle bekannten Genres der Malerei auf: Landschaften, Seestücke, Porträts, Aktbilder, Stillleben, Historienbilder – nur eben auf neue und ungesehene Weise. Zum Beispiel durch den Effekt des Verwischens mit der Rakel, die er – wie schon sein Lehrer K. O. Götz – einsetzt. Das Bild „Ema auf der Treppe“ von 1966 etwa ist auf diese Weise entstanden. Die Figur auf dem Bild erhält durch die so entstehende Unschärfe einen schützenden Schleier. Beim Betrachten entsteht ein reizvolles Spiel mit Nähe und Distanz. 

Gerhard Richter: Claudius (WVZ 603), 1986
© Gerhard Richter 2022 (0001), Foto: Volker Naumann
Gerhard Richter, "Stadtbild M 2", 1968
© Gerhard Richter 2022 (0001)
Gerhard Richter, "Ema (Akt auf einer Treppe)", 1966
© Gerhard Richter 2022 (0001)
Gerhard Richter, "Großer Vorhang", 1967
© Gerhard Richter 2022 (0001)
“Man kann sich nichts dabei denken, denn Malen ist ja eine andere Form des Denkens. “
Gerhard Richter
Licht fällt durch das von Gerhad Richter entworfene Buntglasfenster im Kölner Dom
Harald Oppitz / KNA

2007 gestaltet Richter eines der Fenster im Kölner Dom. 11.263 Farbquadrate in 72 Farben – angeordnet nach dem Zufallsprinzip. 2020 entwirft der inzwischen 88-jährige Künstler abermals Motive für Kirchenfenster – diesmal für die Benediktinerabtei St. Mauritius im saarländischen Tholey: abstrakte, kaleidoskopartige Muster in kräftigem Rot, Gelb und Blau. Richter hat die Arbeit, von der er vor der Enthüllung sagt, dass sie vermutlich sein letztes großes Werk sei, den Mönchen der Abtei geschenkt. 

Meteoritenstaub und Schneckensaft

Die Arbeiten des 2010 verstorbenen Künstlers Sigmar Polke sind so vielfältig, dass sie nur schwer einer Stilrichtung zuzuordnen sind. In früheren Bildern entwickelt er mit Raster- und Stoffbildern eine deutsche Variante der Pop-Art, in der er sich ironisch und kritisch mit der westdeutschen Konsumgesellschaft auseinandersetzt. Als Vorlage dienen ihm häufig Werbeanzeigen, aber auch Comics.

In den 1980er Jahren experimentiert er vor allem mit Farben und Lacken, aber auch mit fotochemischen, wärme- und feuchtigkeitsempfindlichen Substanzen. Selbst vor Meteoritenstaub, Schneckensaft, Uran und hochgiftigem Kobaltnitrat macht seine Experimentierlust nicht halt. 

Sigmar Polke, "Propellerfrau", 1969
© CC BY-SA 4.0, Templer-Museum Trésor des Templiers